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Kultlokal mit hohen Nebenkosten – die PEIK-Energieberatung findet die Ursache

Es ist wie beim Zahnarzt: Wenn man zu lange wartet, wird der Schaden immer grösser. Als der Basler Foodcourt Klara nach der Corona-Zwangspause die Lüftung wieder einschaltete, staunte das Team nicht schlecht: viel höhere Energiekosten als vorher. Lesen Sie, wo der PEIK-Berater Sandro Onorati die Ursache fand und wie er dem Klara dazu verhalf, noch mehr Energie einzusparen.




Sechs Jahre ist es her, seit das «Klara» mit einem neuen Gastrokonzept im Kleinbasel startete. Die Geschäftsidee mit neun eigenständigen Küchen – von mexikanisch über tibetisch bis zu afrikanisch und asiatisch – ging auf. Die Gäste schätzen die offene Atmosphäre und haben die frühere gastronomische Wüste an der Clarastrasse in einen lebendigen Treffpunkt verwandelt, der im Erdgeschoss täglich von 11 Uhr bis Mitternacht geöffnet ist. Im Untergeschoss befindet sich eine grosse Bandspülmaschine, die Teller und Gläser aller neun Restaurants und der Bar reinigt. Auch die Haustechnik, die Toiletten und Pausenräume fürs Personal sind unter dem Lokal untergebracht. Angesichts dieser baulichen Situation wurde 2017 eine leistungsfähige Lüftung mit Wärmerückgewinnung installiert.


Das Lokal ist ein Publikumserfolg, musste aber während des Pandemie-Lockdowns – wie alle anderen Gastrobetriebe – die Tore schliessen und kappte deshalb auch Lüftung und Heizung. «Ein Jahr nach der Wiedereröffnung wunderten wir uns über die hohen Nebenkostenabrechnungen», erklärt Nik von Frankenberg, der bei «Klara» unter anderem für Infrastruktur und Maintenance zuständig ist. Das Team des Foodcourts vermutete damals, dass die unvermittelte Abschaltung die sensible Steuerung durcheinandergewirbelt hatte. Von Frankenberg entschied sich deshalb im vergangenen Sommer, dem Basler Energiedienstleister IWB eine PEIK-Energieberatung (vgl. Werkzeug Energieberatung) in Auftrag zu geben. Diese speziell für KMU entwickelte Analyse sollte den Status quo von Energie- und Warmwasserverbrauch unter die Lupe nehmen und Optimierungsmöglichkeiten aufzeigen.


Abwärme verpuffte ungenutzt

Die Kontrolle der Lüftung sorgte dann bei allen Beteiligten für Verblüffung, denn die an sich vorbildliche Wärmerückgewinnung aus der Abluft funktionierte schlicht nicht: «Grund war eine falsche Steuerung», erklärt Sandro Onorati, Energieberater bei der IWB und akkreditierter PEIK-Energieberater. In der Folge wurden in der kalten Jahreszeit nicht wie vorgesehen 72 Prozent der Wärme aus der Abluft wieder genutzt. Stattdessen verpuffte diese Abwärme ungenutzt. Die frische Zuluft wurde komplett mit Fernwärme auf die geforderten 19 Grad Zulufttemperatur vorgewärmt – was den Energieverbrauch gegenüber der Prognose natürlich in die Höhe schnellen liess.


Kleine Anpassungen, beachtlicher Effekt

Im letzten Winter korrigierte Onorati zusammen mit der Wartungsfirma dieses Malheur und optimierte gleich noch weitere Steuerungsfunktionen. So war es zum Beispiel bis anhin vorgesehen, dass die Lüftungen um 10 Uhr vom Grundbetrieb auf Kochbetrieb stellten, obwohl die Gastronomen den Herd üblicherweise erst eine Stunde später anwerfen. Neu geht die Lüftung deshalb erst um 11 Uhr in Betrieb, kann aber bei Bedarf manuell eingeschaltet werden; entsprechend verkürzt sich die Betriebszeit. Onorati: «Wird der tägliche Kochbetrieb der Lüftung um eine Stunde reduziert, spart man bei den heutigen hohen Strompreisen über 2000 Franken pro Jahr, ohne Komforteinbusse.» Um zehn Prozent korrigiert wurde zudem die umgesetzte Grundluftmenge, die zu hoch eingestellt war. Schliesslich ist eine zweite Lüftungssteuerung mit CO2-Sensor zu grosszügig programmiert und erhöht entsprechend verfrüht die Luftzufuhr. Auch hier lassen sich nun dank der PEIK-Analyse in Zukunft die Betriebszeit kürzen und Strom und Wärme sparen.


Warmwasserverbrauch halbiert

Angepasst hat Onorati auch die Steuerung der Heizung, die bisher gelegentlich selbst im Sommer ansprang, wenn für ein paar Tage eine Schlechtwetterperiode vorbeizog – obwohl die Abwärme von Geräten und Gästen problemlos für angenehme Temperaturen sorgen. Dass sich auch beim Verbrauch von Wasser und insbesondere Warmwasser Energie sparen lässt, wies der Energiefachmann bei den Lavabos der Toiletten nach – hier blockierten die Betreiber bei Hebelmischern den Warmwasserbereich. Wo noch Armaturen ohne Mischer verbaut sind, entfernte von Frankenberg kurzerhand den Warmwasserregler. Entsprechend gibts nur noch kaltes Wasser fürs Händewaschen, was aber zu keinerlei Reklamationen der Gäste führte.

Jene Entnahmepunkte, an denen weiterhin Warmwasser benötigt wird, etwa bei den Personalduschen, wurden systematisch auf Spareinsätze geprüft und, wo nötig, nachgerüstet. Solche Spareinsätze mischen den Wasserstrom mit Luft und senken den Warmwasserverbrauch erfahrungsgemäss um 50 Prozent.


Licht: LED – und abschalten

Punkto Beleuchtung hatte das Klara schon mehrheitlich auf LED umgestellt; im Untergeschoss sind Bewegungsmelder installiert. Dennoch spürte Onorati auch in diesem Bereich Sparpotenzial auf. So wird die Aussenbeleuchtung nur noch in den Randzeiten eingeschaltet, im Sommer erst ab 22 Uhr.


Das Thema könnte in Zukunft noch konsequenter verfolgt werden: «Die grosse Glasfront legt nahe, eine Tageslichtsteuerung zu installieren», schlägt Onorati vor. Damit würde bei hellem Sonnenschein die Innenbeleuchtung automatisch gedimmt oder ganz ausgeschaltet. Ein letzter Effizienztipp, den der PEIK-Energieberater den Klara-Betreibern mitgegeben hatte, betraf den Eingang: Die automatische Schiebetür wurde für die kalte Jahreszeit mit einem Vorhang ergänzt, der die Wärme im Lokal behalten soll.


150 Megawattstunden pro Jahr

«Klara» bezahlte für die PEIK-Energieberatung 2500 Franken, nochmals so viel übernahm EnergieSchweiz. Weitere 2400 Franken fallen für die vier Arbeitstage Umsetzungsbegleitung durch die IWB an, die noch bis im Herbst läuft – auch hier zahlt das Bundesprogramm die Hälfte des Aufwands, bis maximal 13000 Franken oder 10 Arbeitstage.


«In Hardware haben wir – abgesehen von einigen LED-Leuchten und dem Vorhang – praktisch nichts investiert», bilanziert Nik von Frankenberg. Denn in erster Linie ging es um die Überprüfung der Steuerung und darum, die beschlossenen Massnahmen im Team zu kommunizieren. Neben den Optimierungen selbst habe die PEIK-Beratung auch dazu beigetragen, dass die Betreiber die Haustechnik besser kennenlernten und in Zukunft schneller reagieren könnten, wenn etwas nachjustiert werden müsse.


Gelohnt hat sich das Coaching auch finanziell. Von den bisher jährlich 380 Megawattstunden (MWh) Energie entfallen knapp 300 auf die Lüftung – gemäss den bisherigen Messungen dürfte sich dieser Verbrauch nun halbieren. Und bei der Heizung ist dank der korrekten Steuerung eine weitere Einsparung von 10 MWh pro Jahr zu erwarten. Somit ist der finanzielle Aufwand bereits im ersten Jahr wieder eingespielt. Nik von Frankenberg: «Es macht Sinn, eine solche Beratung in einigen Jahren zu wiederholen. Denn es ist wie beim Zahnarzt: Wenn man es zu lange hinauszögert, wird der Schaden immer grösser.»



Dieser Artikel wurde von Pieter Poldervaart für www.nicht-verschwenden.ch geschrieben und erschien am 16. Juni 2023 in der Schweizerischen Gewerbezeitung.


Foto: ©Martin Bichsel

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